Die Gründer

Jakob Geiger, wohnhaft in der „Unteren Mühle“ wo der Vater als Knecht Arbeit und Wohnung hatte. Arm war die Familie, während und nach dem Krieg. Immer dachte der kleine Jakob, so möchte ich einmal alles haben wie die Müllers-Kinder, vom Fahrrad bis zum Klavier, denn für ein paar Pfund Mehl konnte die Müllerfamilie alles haben bzw. tauschen von den Hamsterern.

 

Nach der Volksschule kam der Jakob am 1. Aug. 1949 in die Lehre nach Sulgen zur Bäckerei Langenbacher. Tägliche Arbeitszeit 12 Stunden und 6 Tage in der Woche. Samstag’s war um 15 Uhr Feierabend und am Sonntagabend musste der Lehrling wieder antreten zum hefeln. Neben Kost und Wohnung gab’s im 1.Jahr DM 1,-- im 2. Jahr DM 3,-- und im 3. Jahr DM 5,-- Taschengeld pro Woche. Im Juli 1952 legte Jakob Geiger die Gesellenprüfung ab und blieb als Geselle (DM 15,-- Woche) noch bis März 1953 bei seinem Lehrherrn, denn er wurde während seiner Lehrzeit wie ein eigener Sohn behandelt.

 

 Als Lehrling (links) Sulgen 1951

 

Es folgten von März 1953 bis März 1955 zwei Gesellenjahre in der Bäckerei Zaiss in Stgt.-Untertürkheim. Der Anfang war schwer, aus der kleinen Bäckerei in Sulgen in eine Große mit mehreren Gesellen, aber lehrreich.

 

Als Bäckermeister Maser in Fluorn erfuhr, dass der Bäcker Jakob z.Zt. ohne Stelle war, machte er ihm ein Angebot und im April 1955 fing dieser in der Bäckerei-Cafe Maser an. In dieser Zeit verliebte sich Jakob auch in seine Eleonore.

 

Zwecks Weiterbildung und von Bäckermeister Munz, Sulgen umworben nahm dieser im Okt. 1956 spontan die Stelle an. Da Hans Munz 2 Wochen vorher die Bäckerei Langenbacher als Pächter übernommen hatte, war dieser froh, denn sein Geselle Jakob kannte alle Kunden mit Namen.

 


Als Geselle, Fluorn 1956

 

Im Juli 1958 erfuhr Ernst Maser in Fluorn, dass Geiger die Stelle wechseln will und holte ihn postwendent wieder in seinen Betrieb. Für Jakob war es so bequemer, denn in Fluorn wohnte sein Schatz und er hatte inzwischen auch die Tanzkapelle „Fixsterne“ später „Jakob Geiger Quintett“ gegründet. Neben der Arbeit (er führte die Backstube allein), abend’s Meisterkurs und am Wochenende Tanzmusik. Im Januar 1959 dann die Meisterprüfung bei der Handwerkskammer Reutlingen und im April die Heirat mit seiner Eleonore. Anfangs wohnte man bei den Schwiegereltern die einen Tante Emma Laden betrieben.

 

Nachdem die inzwischen geborenen Mädchen Silvia und Cornelia aus dem Gröbsten waren, wurde der langgehegte Wunsch selbstständig zu werden realisiert und am 13. Mai 1963 die Bäckerei Platz in Oberndorf a.N. gepachtet. Auf fünf Jahre war der Pachtvertrag unterzeichnet. Doch genau nach zwei Jahren kam Ernst Maser, ehemaliger Chef, 49jährig, durch einen Autounfall ums Leben.

 


Silvia & Cornelia vor der Bäckerei Oberndorf 1964

 

Auf Bitten von Frau Maser (der älteste Sohn Lothar hatte gerade ausgelernt) übernahmen die Geigers im Juli 1966 das “Cafe-Bäckerei-Fremdenzimmer“ Maser in Fluorn. Es folgten fünf schwere Jahre, denn am 4.Okt. 1966 kam zu den zwei Mädchen noch der Stammhalter Ralf dazu.

 


Vater Jakob mit Sohn Ralf, Backstube in Fluorn 1969

 

Morgens die Backstube, abends im Cafe, die Mutter mit einer Hilfe im Laden, drei kleine Kinder, in der Küche Vesper machen, jeden Morgen Betten abziehen, da meist nur Vertreter übernachteten. Zum Glück waren die Eltern im Dorf und halfen am Sonntag, wenn der meiste Betrieb war.

 


Die Geiger's als Cafetiers mit Bedienung, Fluorn 1970

 

1971 erfuhr Bäckermeister Keck, Dunningen, dass Geigers Pacht ausläuft und bot denen seine Bäckerei zur Pacht an, welche im März 1971 übernommen wurde. Eigentlich suchte man schon seit geraumer Zeit etwas zum kaufen, doch meist waren die besichtigten Betriebe veraltet.

 

Im Jahre 1973 erfuhren dann Geigers, dass die Bäckerei Renner, Villingendorf verkauft werden sollte und schlugen zu. Am 15. Januar 1974 nachdem ein neuer Laden eingebaut war, wurde endlich, voller Stolz die eigene Bäckerei eröffnet.

 


Die Bäckerei Villingendorf vor dem Kauf 1973

 

Eine 80 Stundenwoche war normal, man hatte Schulden und glaubte nie mehr Urlaub machen zu können. Nebenher nahm der Chef noch zahlreiche Ehrenämter in Innung, Einkaufsgenossenschaft „Bäko“ sowie der Krankenkasse „IKK“ an, in die ihn seine Kollegen gewählt hatten.

 

Die Bäckerei in Dunningen wurde noch 2 Jahre bis zum Pachtende als Filiale weiter geführt und dort auch die ersten 10 Monate gebacken, bis der An- und Umbau in Villingendorf fertig war. Im Okt. 1974 konnte die jetzt größere und auf das modernste eingerichtete Backstube bezogen werden.

 


Die Bäckerei Villingendorf August 1977

 

Wie richtig die große Investition war, zeigte sich in den folgenden Jahren. Mit Fleiß und auch Glück wuchs der Umsatz durch verschiedene Großlieferungen von Jahr zu Jahr. Man konnte jedes Jahr vier Wochen Urlaub machen und im Jahr 1984 anlässlich der „ Silber-Hochzeit“ konnten die Geigers auch ihr schmuckes Eigenheim beziehen.

 


Die Bäckerei Villingendorf 1987

 

1989 wurde in der Ortsmitte ein Supermarkt gebaut, für die Geigers ein Schock, denn der Chef war nun schon 54 und wie reagiert man jetzt ? Wie vom Bäko-Betriebsberater empfohlen, wurden nochmals DM 300.000 investiert. Die Lebensmittel wurden abgestoßen, und der Laden geteilt. Die Hälfte kam zur Backstube als Konditorei, die zweite Hälfte als Laden mit neuer Einrichtung und Blick in die Backstube. Dort wurde noch ein zweiter Backofen installiert und für das Büro eine EDV Anlage gekauft. Gleichzeitig wurde in Oberndorf die erste Filiale eröffnet. Nun hatte sich der Kreis geschlossen, da man 1963 in Oberndorf gestartet war, damals 14 Bäckereien und 1990 nur noch Filialen. Auch diese Investition hatte sich als richtig erwiesen.

 

1993 im Sommerurlaub sagte Jakob zu seiner Eleonore, Du unser Ralf ist jetzt 27 und Meister, ich meine er soll jetzt weiter machen. Wieder Zuhause, sagte Ralf ohne Bedenkzeit „Ja“ und übernahm am 1.Januar 1994 den elterlichen Betrieb mit 15 Angestellten darunter auch Tochter Cornelia die am 1.Aug. 1977 ihre Lehre bei den Eltern als Bäckerei-Fachverkäuferin begonnen hatte. Die ersten Jahre arbeiteten die Eltern noch bei ihrem Sohn als Angestellte und 
hatten jetzt endlich auch den 8 Stundentag und die 5 Tagewoche.

 

Heute sind die Beiden stolz auf das Erreichte. Es waren harte Jahre, aber die Mühe hat sich gelohnt.